Gürkchen Teil II


Ebenfallsdeutschaupair S. hat Urlaub und chillt mit ihren Eltern in Kanada, während ihre Gastfamilie, die mit meiner gut befreundet ist, versucht, ihre drei Kinder allein zu managen. Am heutigen Nachmittag scheint es nicht geklappt zu haben, Gastmutter C. braucht Hilfe und ich biete mich gern an, ihre beiden Kleinsten am Mittag von der Schule zu holen. Die Chance mich anzubieten wird mir allerdings gar nicht erst gewährt. Viel mehr werde ich angeboten und bekomme von meiner Chefin lediglich eine SMS mit der Adresse der Kinder. Und da möchte ich an dieser Stelle doch glatt mal meinen Respekt an die Frau aussprechen, die es schafft, mich selbst über die 2563 Meilen zwischen New York und San Francisco respektlos zu behandeln. Naturtalent die Gute.
So gurke ich also erst zur Schule meiner Jungs, um sie, sich gegenseitig anschreiend, ohne weitere Umwege bei einem Playdate abzusetzen. Dann geht es zur Schule der beiden Anderen. Das Abholen liefe genauso, wie bei meinen Gören, erklärt mir Gastmutter C. zuvor noch am Telefon. ‘Einfach einreihen’.
Pünktlich um 2:40pm reihe ich mich also in eine Schlange ein, die nicht vorhanden ist. Denn vor dem Haupteingang der mir unbekannten Schule steht außer mir absolut niemand. Um 2:45pm kommt mir die Sache komisch vor, Gastmutter C. geht aber nicht an ihr Telefon, daher beschließe ich, mir meinen Weg in die relativ große Schule zu bahnen. Ich versuche es erst allein, frage mich dann bei diversen Menschen durch, bis ich am Ende am höchsten Punkt einer Treppe stehe, die auf den Schulhof hinunter führt. Dort solle ich doch mal gucken, wurde mir zuvor im ‘second Main Office - first floor’ erklärt. Der Schulhof ist vor lauter schreienden Blagen nicht zu erkennen. Angestrengt versuche ich also mit zusammengepressten Augen J. und I. in der Menge zu entdecken, muss über diesen Versuch aber schon fast selbst lachen.
Am Ende kann mir nur noch eine überdurchschnittlich dicke Lehrerin helfen, die neben mir entspannt ihr Megaphone einschaltet und die Namen der Beiden aus voller Kehle über den Schulhof brüllt.

Ich setze die beiden also verspätet zu Hause ab und gurke zu Tochter F.’s Schule, die sich beim Einsteigen kurz darüber aufregt, ihre Brüder nicht im Auto vorzufinden. Sie hätte sich den letzten Bisschen ihres Donuts extra aufgehoben, um ihn sich vor ihren, vermutlich feuchten Augen in den Mund zu stopfen.
Dann hole ich die Jungs und wir gurken zurück nach Haus.

I am a Squirrel


Am Mittwoch hat Tochter F. ihre Theateraufführung. Die Aufführung eines Stücks, von dem sie mir seit Wochen berichtet. Mir Stellen vorspricht und über ihre Lehrerin meckert. Den einzigen einzeiligen Tex den sie als Eichhörnchen im zu kurzen Rock performen wird mit mir übt und sich sehr darüber zu freuen scheint, dass ich die Aufführung ihrer Klasse auf keinen Fall verpassen möchte.
Mutter T. ist wieder einmal für ein paar Tage beruflich nach New York verschwunden und das männliche Oberhaupt meiner Gastfamilie begleitet das Basebalteam seines ältesten Sohnes als ‘Coach R.’ zu einem weiteren Spiel am heutigen Abend. So bleiben also Klein C. und ich zurück und wir fahren am Abend, ohne ihm auch nur den Anflug einer Wahl zu lassen, zu Tochter F.’s Schule um uns ‘Charlie and the Chocolate Factory’ anzusehen.

Ebenfallsdeutschaupair A., die wir gleich noch mit eingesammelt haben, wird, genauso wie wir, sehr nett von F. begrüßt. Vor ihren Freunden kommt sie zu uns und es ist sogar eine Umarmung mit drin, bevor sie von ihrer, leider wirklich bescheuerten Lehrerin mit dem Rest ihrer Klasse aufgefordert wird, die Klappstühle vor der Bühne für das eintreffende Publikum freizugeben. Klein C. fängt bereits an diesem Zeitpunkt an, dezent rumzunerven.
Zuerst spielen die Sechstklässler eine relativ sehr schlechte Version von ‘Aladin’, die nicht nur Klein C. auf meinem Schoß, sondern auch uns etwas zu langweilen beginnt. Als drei, in bunte Umhänge gehüllte Gestallten ein rollbares Sofa, mitsamt Aladin und der dicken Prinzessin im blauen Kleid, über die Bühne zuckeln und so wild hin und her rennen, dass das Liebespaar auf dem gefakten fliegenden Teppich einige Male aus seiner schrecklich schiefen Kopfstimmenlage gerissen wird, sind es jedoch Klein C. und ich, die am lautesten los gackern. Vor uns sitzende, mit Ipads mitfilmende Amerikanerinnen drehen sich noch mit einem doch relativ gefakt scheinenden Sympathielächeln zu uns um, bevor die Langeweile wieder auf uns hinunter schallt.

‘Taktisch klug, die Sechstklässler zuerst spielen zu lassen’, bemert Tochter F. im Nachhinein, ‘das schraubt die Erwartungen der Zuschauer so weit runter, dass wir danach fast schon gut erscheinen.’
Und so ist es tatsächlich. Der Gesang der Siebtklässler ist während ihrem Theaterstück schon wesentlich besser und hier und da ist doch ein auch tatsächlich ein wenig Schauspieltalent zu finden.
Klein C. ist mittlerweile auf meinem Schoß so schwer geworden, dass ich meinen Arsch nicht mehr spüren kann und jammert, wenn er grade nicht dabei ist seinen Hinterkopf abwechselnd auf meine Nase und Oberarm zu knallen, nach Kälte, Wasser und Schlaf.
F.’s kurzen Auftritt nehme ich mit der Familienkamera auf, das Programm, in dem sie als eine der letzten erwähnt wird, nehme ich ebenfalls mit nach Haus und bin, während sie da oben verunsichert kichernd auswendig gelernte Tanzschritte aneinanderreiht, fast ein wenig stolz. Außerdem ist sie da oben die Hübscheste, stelle ich dann auch noch fest, während Klein C. sich vor meinem Gesicht mit lautem Ächzen versucht die Baseballsocken vom Knöchel zu reißen.

Als wir gegen 9:30pm nach Hause kommen, ist die Stimmung trotz Mutter T.’s Abwesenheit im Keller. H.’s Mannschaft hat zum 195 Mal verloren und es darf auch nicht weiter darüber gesprochen werden. Klein C. interessiert das allerdings einen Scheißdreck, was zu einem empörten Anfall von Vater R. führt. Ich streichele den Hund und gucke mit F. noch einmal ihren Auftritt auf Video an. Niemanden sonst interessiert dieses. Das Programm, welches ich stolz präsentiere, verschwindet unter einem Berg angesammelter Post. Und während Vater R. mit den Jungs und dem laufenden Fernseher um die Wette argumentiert, schaltet das Eichhörnchen im zu kurzen Rock die Kamera aus.

Langsam geht es vorbei


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Die meisten Flüge für meine letzten Wochen in den USA sind bereits gebucht. Auf dem Plan stehen unter Anderem Miami, New York, New Orleans und Hawaii. Und so sehr ich mich auch auf diese Reisen freue und meinen Job hier mittlerweile fast nur noch hasse, es dementsprechend also kaum erwarten kann, wieder frei zu sein, umso mehr graut es mir davor, zurück nach Deutschland zu gehen. Mit jedem hier zu Ende gehenden Tag, rückt mein bereits feststehender Rückflug nach Hamburg näher. Verabschiedet sich San Francisco. Und Amerika. Und ich bin dafür absolut noch nicht bereit.
Am liebsten würde ich für so eine Woche zurück in die Heimat. Freunde und Familie sehen. Viel Brot, Döner und Mozzarella mit Tomate essen, einen Extrakoffer mit Sprühdeo füllen und dann nichts wie zurück.
Die Plätze des Flugzeugs neben mir von Geliebten besetzt.

Für meine alte Muddi,


deren Lachen ich habe. Die mit mir zu Afroman’s ‘Cuz I Got High’ ewige Stunden Richtung Urlaub cruste. Und deren Rat ich immer mit einbeziehe. Für meine alte Muddi, die man an ihrem Lachen erkennen kann. Die von allen mir bekannten Menschen am aller besten zuhören kann. Und die immer zuhört. Für meine alte Muddi, die mir, ohne jeglichen Zweifel, immer helfen kann, wenn ich Hilfe benötige. Und die mir ein großes Stück ihrer Weltoffenheit und Freundlichkeit mitgegeben hat. Für ne ziemlich tolle Frau. Die immer eine Antwort hat.

Für meine alte Muddi. Und meine längste Freundin.

Für meinen alten Vaddi,


dessen Augen ich habe. Dessen Auto ich schon mit 12 Jahren fahren durfte. Und der entweder pünktlich oder tot ist. Für meinen alten Vaddi, der bedingungslos gibt. Der den ersten Teil von ‘High School Musical’ unfreiwillig mitsprechen kann. Und der, ohne jegliche Zweifel, innerhalb kürzester Zeit überall da sein kann, wo ich ihn brauche. Für meinen alten Vaddi, der mir ein großes Stück seines Perfektionismus mitgegeben hat. Für nen ziemlich coolen Typen. Und den zuverlässigsten Mensch der Welt.

Für meinen alten Vaddi, der alles kann, wenn er es will.


‘YOU’VE GOT TO FIND WHAT YOU LOVE’


Mrs. B hat uns für die heutigen Collegestunden die Rede ausgedruckt, die Steve Jobs während der Stanford Entlassungsfeier im Jahre 2005 hielt. Obwohl ich dem Mann durchaus für mein IPhone danken möchte, habe ich mich bis jetzt noch kein Stück mit ihm beschäftigt oder ihn weder für gut noch schlecht befunden. Nach dem mehrfachen Lesen dieser Abschlussrede, kann ich dann aber doch behaupten, ihn ziemlich beeindruckend zu finden.

Und weiter noch, ich kann auch sagen, dass mir diese Rede, in meiner jetzigen Lebensphase und den anstehenden, wesentlich zukunftsverändernden Entscheidungen, doch sehr viel Mut macht.

‘…You can’t connect the dots looking forward; you can only connect them looking backwards. So you have to trust that the dots will somehow connect in the future. You have to trust in something - your gut, destiny, life, karma, whatever.’

1. Maiwochenende


Nachdem ich die meiste Zeit des Samstags in meinem Bett verbringe, das gesamte Pensum an entspannter Ruhe in dieser Woche versuche wieder ins Gleichgewicht zu rücken, mit einer der besten Freundinnen telefoniere, anschließend die Anderen im Golden Gate Park treffe und wir den Abend bei selbstgemachten Pommes und Spinat gemütlich ausklingen lassen, verschlafe ich am heutigen Sonntag Morgen den Gottesdienst.
Im Nachhinein ärgert mich das immer noch sehr, aber immerhin bekomme ich noch etwas nötigen Schlaf, bevor wir uns am Mittag in der Stadt treffen. Es geht ein wenig shoppen, ein wenig essen. Noch ein wenig shoppen, noch ein wenig essen. Zum Nachtisch dann ein kurzer Stop am Frozen Yogurt, wo ich nach ganzen vier Wochen Entzug endlich mal wieder einen vollen Becher genießen kann, während wir den bisherigen Rekord im ‘Haste-mal-ne-Zigarette’-gefragt-werden aufstellen.
Dann noch für eine Weile zu Ebenfallsdeutschaupair A., wo mit viel Konzentration an weiterer Musik gearbeitet wird und dann geht es, begleitet von begeisternden Bruno Mars Videos mit dem Bus zurück ins Haus des Feldwebeltons. Schutzlos ausgeliefert, an eine Woche, gefüllt mit Geschrei, bösen Tönen und Beherrschung, lässt einen das viel zu kurze Wochenende verblüfft an der Haustür stehen.

1. Mai 2013


Nachdem ich in dieser Woche wieder einmal wahnsinnig genervt von den Kindern bin und mich in meiner Freizeit schon genug über sie und ihre Erzeuger aufrege, werde ich diesen wundervollen Blog heute davon verschont lassen.

So könnte ich also an dieser Stelle mal kurz darauf eingehen, dass seit dem heutigen Tag wahrhaftig schon Mai ist. Mai ist aber viel zu schnell gekommen und nach Mai sind es nur noch 3 Monate, in denen ich in dieser Stadt wohnen werde, was mich äußerst traurig macht. Ich sehe mittlerweile nicht mehr die tolle Zeit, die vor mir liegt sondern nur noch die, die hinter mir liegt und den Abstand zur Konfrontation mit der Zukunftsangst, der zunehmend kleiner wird. Ich sehe schlecht gelaunte Deutsche und flache Landschaften, die deutsche Sprache und keine Palmen. Ich sehe Planlosigkeit und das echte Leben ungebremst auf mich zurasen. Und ich mag nicht was ich sehe.
Daher ist die Stimmung, die beim Thema Maianfang aufkommt auch nicht sonderlich gut.

Dann also doch noch der schnelle Versuch, die positiven Ereignisse dieses 1.Maitages herauszufiltern:
College fällt heute aus, daher schlafe ich erst aus und treffe mich dann, nach meinem allmorgendlichen Workout, mit Ebenfalllsdeutschaupairs A. und S. zum Frühstück am Strand. Mit Gitarre im Gepäck schreiben wir noch schnell einen wahnsinns Hit. Pluspunkt für den heutigen Tag.
Während unserer Arbeit retten wir uns zu einem Playdate im Park, während dessen unsere Gören spielen und wir auf der Wiese liegen und die für Frisco wiedermal äußerst warmen Sonnenstrahlen genießen.
Und am Abend, nachdem ich die Bande gefüttert und vollkommen satt habe, sich ihre Eltern vor uns anschreien und Türenschmeißend das Haus verlassen, nach alledem treffen wir drei uns bei lauwarmer Abendluft an einem der bunten, wasserspuckenden Brunnen im Park und machen in Decken gehüllt noch etwas Musik.

Und wem diese Aufzählung von positiven Ereignissen an einem arbeitsmäßig doch relativ beschissenen Tag noch nicht reicht, der soll noch davon in Kenntnis gesetzt werden, dass zwei mir noch unbekannte ‘Survivor’ Folgen in diesem Moment fertig geladen und damit bereit sind, jetzt von mir geguckt zu werden.
Gute Nacht!

Roadtrip EXTREME


Es geht endlich wieder los! An diesem Wochenende, spontan wie immer, zu Viert auf einen Roadtrip Richtung Süden, auf dem Highway No 1. Im Gepäck Schlafsäcke, Kamera, Dosenöffner und 4 Büchsen Ravioli.

Ein wirkliches Ziel haben wir uns für diese zweitägige Reise nicht gesetzt, da es uns hauptsächlich um die als ‘wunderschön’ beschriebenen Küstenstraßen geht, die unsere vorübergehende Heimatstadt mit Los Angeles verbindet. So fahren wir also am Samstag Morgen einfach los und erhoffen uns grob noch vor Dunkelheit in Santa Barbara, einer kleineren Vorstadt Los Angeles’, anzukommen.
Es geht durch Santa Cruz, Monterey, Pismo Beach und Santa Maria durch viel Nichts und noch viel mehr Schönheit entlang der westlichsten Küste der USA immer weiter Richtung Süden.
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Nach vielen Pausen, Staunen und ewigen Stunden, in denen uns Mr.Honda sicher über den Highway fliegen lässt, fassen wir dann doch den Entschluss, es bis nach L.A. zu schaffen. Unser Ziel ist ein Walmart Parkplatz im Herzen der Stadt, auf dem es, im Gegensatz zum Rest des Landes, legal sein soll, die Nacht in seinem Auto zu verbringen.
Nach über 12 Stunden Autofahrt kommen wir so gegen 0 Uhr tatsächlich vor dem großen Supermarkt an, der, mitsamt Besuchertoilette, perfekter Weise auch noch jeden Tag volle 24 Stunden geöffnet hat. Zudem ist der Parkplatz beleuchtet und Videoüberwacht, die Entscheidung genau hier her zu kommen stellt sich also als die absolut richtige heraus. Die Zahnpasta wird kollektiv an den Fuß einer dicken Palme gespuckt und dann machen wir Vier es uns in Mr.Honda so gemütlich wie es eben nur geht, mitsamt unserem Gepäck und Essensproviant. Und hätten nicht damals, vor langer Zeit, als die Kartoffeln noch so dick wie unsere ausgebeulten Schultaschen waren, vier Bratzen mit Gepäck für ganze zwei Wochen in einem Käfer in den Bergen Österreichs übernachtet, ich würde beinahe behaupten, wir hätten einen Rekord aufgestellt.

Am nächsten Morgen gibt es ein ausgiebiges Frühstück am Venice Beach und wunderbar gerötete Körperstellen, die San Francisco niemals bewundern können wird. Und an diesem Ort hake ich dann an diesem Wochenende den bereits dritten Wunsch von der ‘Im Leben mal gemacht haben müssen’-Liste, während ich zum ersten Mal in die Wellen des Pazifiks tauche: 
Zuvor probierte ich in Pismo Beach einen Wurm und eine Heuschrecke: 
Und fuhr lauthals mitschreiend zu voll aufgedrehtem ‘Highway To Hell’ bei Sonnenschein über den Highway No 1: 

Life is good.

Und mit trockener, pazifiksalziger und nach Sonne riechender Haut, treten wir nach einiger Zeit am Strand und einem kleinen Abstecher über den Rodeo Drive den Heimweg an. Dieses Mal über den Highway No 5.

Bei 35°C die 8 Stunden lang schnurgeraden 382 Meilen zurück nach Haus.

NIGHTNIGHT by DEDDY

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Tu, was dein Herz dir tut. [K.Müller]